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Reisebericht: Vom Piz Ela zum Monte Disgrazia
21.08.2017 | erstellt von Gerold Santer

Reisebericht: Vom Piz Ela zum Monte Disgrazia

Der Naturpark Ela im Graubünden ist nicht nur für Wanderer und Naturliebhaber ein lohnendes Ziel. Der Piz Ela ist mit seinen verschiedenen Anstiegen und Klettereien auch Anziehungspunkt für geübte Bergsteiger. In Kombination mit dem Monte Disgrazia im nahe gelegenen Italien, südlich vom Bergell, hatten wir ein ganz besonderes Naturerlebnis.

Naturpark Ela im Graubünden

Ausgehend von Bergün nördlich vom Albulapass erwanderten wir uns die einsam gelegene Ela Hütte. Eine Selbstversorgerhütte mit Vorbildcharakter. Nur noch das Essen ist mitzubringen. Sogar für Limonaden, Bier und Wein ist gesorgt. Eine Anmeldung ist natürlich erforderlich. Die bunte Mischung von Kletterern, Wanderern und Tagestouristen bringt Erfahrungsaustausch, hilft bei der Planung und stärkt die Bergkameradschaft.

Für unseren geplanten Aufstieg über den Westgrat lohnt sich die Erkundung vom Zustiegsweg durch das Geröll am Vortag. Im Dunkeln ist der schmale Steig nämlich kaum mehr zu sehen.

Ab dem Einstieg kurz vor dem Ela Sattel beginnt dann die weitere Suche;) Für die Wegfindung in der Westwand braucht man schon ein geübtes Auge. Steinmännchen und alte Wegspuren helfen dabei. Ab diesem Zeitpunkt sollte man unbedingt schon Tageslicht haben! 

Am Westgrat angekommen beginnt dann der angenehmere Teil der Kletterei, welche zunehmend an Genusscharakter gewinnt.

Ein herrlicher Aussichtsgipfel der Ela

Bei guter Sicht hat man am Piz Ela einen uneingeschränkten 360° Rundumblick. Es grüßen Dich die Berner Alpen, das Wallis, die Bernina, das Bergell, der Ortler, die Silvretta, der Zürichsee, usw. ... und natürlich zum greifen nah, unser nächstes Ziel der Monte Disgrazia im Süden.

Im Abstieg wird im oberen Bereich mehrmals abgeseilt. Die Standplätze sind fast immer ca. 30 Meter von einander entfernt. Also nicht sparen mit der Seillänge.

Wir hatten dabei sehr viel Glück, da uns bei einem Steinschlag das Seil beschädigt wurde. Es ist ohnehin sehr viel Gestein und Geröll in Bewegung. Wir raten deshalb zur besonderen Vorsicht!

Abstieg und Anreise ins Val di Mello

Nach unserem Abstieg auf dem gleichen Weg zurück nach Bergün, hatten wir noch eine dreistündige Anreise nach Italien. Über die Pässe von Albula und Bernina vergeht die Zeit jedoch wie im Fluge. Es folgt eine alpine Sehenswürdigkeit nach der anderen. Die Gipfel von Piz Palü und Morteratsch, der Biancograt am Bernina, Piz Roseg, .... vielleicht schon bestiegen oder ein neues Ziel? Mit Follow me ist das jederzeit gut möglich. Wir begleiten Euch dabei gerne ;)

Aufstieg zum Rifugio Allievi 

Wir haben uns zum langen Aufstieg zur Allievi Hütte entschieden. Über 1.400 Höhenmeter warten und werden mit fantastischer Landschaft belohnt. Vorbei an den Kletterrouten beim Rif. Luna Nascente wandern wir im Wald hoch zu den Granitriesen der angrenzenden Gipfel vom Bergell. Kurz unter der Hütte liegt eine idyllische Hochebene welche als Sommerweide für Esel, Pferde und Schafe genutzt wird. Unser Ziel war erreicht und die wunderbare Aussicht war Belohnung für den schweißtreibenden Aufstieg. Das italienische Flair sorgt wie immer für Wohlbefinden und gute Laune.

Über Sentiero Roma zum Rifugio Ponti

Früh Morgens brechen wir auf, da der Wetterbericht Gewitter um die Mittagszeit nicht ausschließt. Über die bekannte Via Sentiero Roma erarbeiten wir uns drei Pässe zum Rifugio Ponti. Unter sieben Stunden ohne Pause ist dieser Übergang nicht leicht zu schaffen. Für unerfahrene Bergsteiger ist es eine Herausforderung, da nicht nur Auf- und Abstiege mit Drahtseilen sondern auch kurze Eis- und Gletscherpassagen bewältigt werden müssen. Steigeisen und Pickel sollte man mit dabei haben! Das Rifugio Ponti ist seit vielen Jahrzehnten Ausgangspunkt für eine Besteigung vom Monte Disgrazia. Gastfreundschaft und Flair wie gewohnt italienisch ;)

Unser Highlight - der Monte Disgrazia

Nun steht sie bevor, unsere Bergfahrt zum Monte Disgrazia. Um 5 Uhr Frühstück und los. Über die Seitenmoräne steigen wir komfortabel auf und erreichen bald den kleine Rest vom Gletscher. Schneefrei aber steil präsentiert sich heute unser Aufstieg über das Eis zum Sattel unterhalb vom WNW Grat, dem Normalaufstieg zum Gipfel. Über den gut gestuften Blockgrat geht es im II Grad, am kurzen Seil hoch zum Gipfel und auf selben wieder zurück. Die lange Reise hat sich zu 100% gelohnt!!

Abstieg durch das Val die Preda Rossa

Nicht nur der Gipfel sondern auch der Abstieg sind eine Reise wert. Das Tal ist einfach wunderschön und der Blick zurück zum Gipfel lässt das Bergsteigerherz höher schlagen. Wenn man mit zwei Autos anreist, dann benötigt man kein Taxi zurück ins Val di Mello. Zur Info: Aufgrund von einem Felssturz war die Strasse bis zum Parkplatz bei Preda Rossa gesperrt und wir mussten weit ins Tal absteigen. Um 5 und um 7 am späten Nachmittag und Abend fährt ein Kleinbus ins Tal. Für uns leider zu spät.

Abschied und Heimreise

Auf ein Wiedersehen und Danke

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